Landwirtschaft mit Zukunft?!

Na, habt ihr ihn schon gesehen, den HNA-Artikel? 

Ich habe mich sehr geehrt gefühlt, dafür angefragt zu werden und freue mich natürlich, wenn prominent über Landwirtschaft berichtet wird. Wir sind, trotz der wenigen Beschäftigten, ein unheimlich wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft, denn was auf landwirtschaftlichen Betrieben passiert, berührt letztlich jede:n einzelne:n von uns. Denn unsere Arbeit beeinflusst Klima, Wasser, Böden, Landschaftsbild und bestimmt letztendlich auch, welche Lebensmittel zur Verfügung stehen. 

Nichtsdestotrotz möchte ich noch einige Gedanken da lassen, denn obwohl ich voll hinter dem stehe, was ich dort gesagt habe, so ist es dennoch so, dass im Gespräch und noch weniger in der Zeitung Platz für wesentliche, wichtige Punkte war. 

Deshalb möchte ich diesen Blog als Plattform nutzen, um einige Punkte noch einmal zu verdeutlichen:

 

Warum stehen wir an dem Punkt, an dem wir jetzt sind?

Unser Wirtschaftssystem der letzten Jahrzehnte hat zu einem massiven Biodiversitätsverlust und zur Klimakrise geführt, die möglicherweise dringendsten Aufgaben unserer Zeit. Die Landwirtschaft leidet darunter, ist aber ein wesentlicher Treiber, sowohl von Klima- als auch Biodiversitätskrise. Große Flächen bestimmen mittlerweile weite Teile von Deutschland, Strukturelemente wie Hecken, Säume und Raine, Bauminseln (…) sind vielerorts verschwunden. Moore trockengelegt. Äcker werden intensiv bewirtschaftet. Um auch die letzten zusätzlichen Erträge zu erzielen, wird teilweise Dünger aufgebracht, der in keinem Verhältnis zum zusätzlich erzielten Ertrag steht. Gleichzeitig sorgt all das dafür, dass bestimmte Ackerwildkräuter oder Kräuter der Saumstrukturen verschwinden - und damit die Nahrungsgrundlage für Insekten, Feldhasen und Vögel. Unsere Agrarlandschaft begünstigt das Artensterben. Große Tierbestände bringen viel Dünger mit sich, der häufig nicht auf den vorhandenen Flächen untergebracht werden kann. Gleichzeitig begünstigen große, homogene Tierbestände die Entwicklung von Krankheiten und durch den Einsatz von (Reserve-)Antibiotika und die Entstehung von Resistenzen gefährdet das auch ganz direkt die Krankheitsbekämpfung in der Humanmedizin. Das alles verursacht außerdem Kosten, die sogenannten Externalitäten, also Kosten, die nicht im landwirtschaftlichen Erzeugnis mit eingepreist werden und die die Gesellschaft trägt.

Es ist die Aufgabe der Landwirt:innen, das zu beenden - in Zusammenarbeit mit dem Staat und der Gesellschaft. Denn Landwirtschaftsbetriebe, sind häufig hoch verschuldet, viele Landwirt:innen zahlen sich kaum eigenen Lohn aus (können es nicht) und haben den Betrieb als einzige Altersvorsorge. Umbauten und Innovation, um eine notwendige Transformation - hin zu mehr Diversität, weniger Intensität und kleineren Tierbeständen - in die Wege zu leiten, lassen sich ohne Förderung in der Regel nicht aus dem Laufenden Betrieb decken.

Trotzdem steigen Anforderungen und Erwartungen der Gesellschaft an die Betriebe. Gerade kleine Betriebe geben deshalb auf. Laut einer aktuellen Statistik werden die Betriebe unter 100 ha immer weniger, während größere Betriebe an Fläche dazu bekommen - mit allen oben skizzierten Folgen. Daher rührt auch die Aussage, dass vielfältige, kleine (konventionelle) Betriebe nicht das Problem und nicht unbedingt schlechter als große Biobetriebe sind. 

Ich wünsche mir eine vielfältige Agrarlandschaft. Kleine Betriebe - und große Betriebe, die klein strukturiert arbeiten - sind die Grundlage davon. Die vielfältige Agrarlandschaft mit geringem bis keinem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und einer deutlich niedrigeren Düngeintensität können das Klima schützen und Biodiversität erhalten. Darauf muss der Fokus von Förderungen liegen. Gleichzeitig gibt es per-se-Effekte des Ökolandbaus: Geringere Düngeintensitäten, kleinere Strukturen, weniger dichte Bestände und kleinere Tierhaltungen führen dazu, dass viele Probleme der konventionellen Landwirtschaft weniger stark ausgeprägt sind. Es entstehen also auch weniger externe Folgekosten, die die Gesellschaft trägt. Ein Biokäufer zahlt also zweimal: Für die teureren Produkte und für die Externalitäten der Produkte, die andere konsumieren. Unfair, oder? Ein System, in dem die wahren Kosten (oder das, was wir davon wissen) Grundlage für die Preisbildung sind, würde also bereits viele Probleme lösen. Denn: Je gesellschaftsschädlicher ein Produkt ist, desto teurer und unattraktiver wäre es. Und ich wünsche mir eine Förderung, die an tatsächlich erbrachten Leistungen ausgerichtet ist. Ich bekomme kein Geld, wenn ich einen Blühstreifen anlege, sondern nur, wenn der auch zu mehr Biodiversität führt. Das halte ich für zutiefst gerecht: Denn ich als Landwirtin erbringe eine Leistung, das mag der Erhalt der Landschaftsästhetik, der Erhalt alter Nutztierrassen, Klimaschutz, sauberes Wasser, saubere Luft (…) sein und werde dafür entschädigt. Ganz konkret. Missbrauch wird fast unmöglich und jede:r Bürger:in kann nachvollziehen, weshalb ich Geld bekomme. Damit sollte das Schimpfen auf zu hohe Subventionen doch auch ein Ende haben - und Landwirt:innen endlich ein ordentliches Auskommen.

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