2020 wird jetzt abgehakt!

Schon wieder ein Jahr rum, und was für eins. Eins, dass an uns vorbeigerauscht ist und sich gleichzeitig  gezogen hat wie Kaugummi: Manchmal ist es kaum zu glauben, dass nicht mehr März ist. An Weihnachten haben wir inne gehalten und uns überlegt, was auf dem Kastanienhof in 2020 eigentlich so passiert ist (ist überhaupt was passiert?) und weil uns doch so einiges eingefallen ist, schreibe ich heute diesen Tagebucheintrag, um euch daran teilhaben zu lassen.

 

Am 01. Januar wussten wir, dass unsere Bewerbung erfolgreich war, Mitglied im Demonstrationsnetzwerk Ökologischer Landbau zu werden. Das gibt uns als Betrieb die Möglichkeit, von dem großen Netzwerk und knowhow zu profitieren, gleichzeitig werden wir aber auch dabei unterstützt, Veranstaltungen zu planen und durchzuführen. Eine große Chance also, und so schmiedeten wir jede Menge realistische und unrealistische Pläne, um unsere Arbeit für euch erfahrbar zu machen. Leider sollte es anders kommen, aber wir gucken, was dieses Kapitel angeht, hoffnungsvoll auf 2021 - kurzfristige Änderungen werden eingeplant und kreative Umsetzungsmöglichkeiten erprobt!

Das erste Quartal verlief betrieblich gesehen ruhig, nur unsere Ladenöffnungszeiten mussten wir etwas anpassen (8-20 Uhr), da unser jahrelang bewährtes System des rund um die Uhr zugänglichen Hofkaufs bei steigender Bekanntheit seine Schwachstellen offenbarte. Seit April macht unser neues, zumindest von Oberelsungen aus nicht zu übersehendes Hofschild auf den Kastanienhof und die Einkaufsmöglichkeit aufmerksam.

Für unsere Kartoffelkund*innen haben wir unser Angebot ausgeweitet: Neben Granola und Laura gibt es in diesem Jahr auch Prinzess, Ditta und Karlena. Es lohnt sich, sich durchzuprobieren! Aber nicht nur im Kartoffelanbau wurde experimentiert; auch der Anbau von Buchweizen, Soja (was ja schon nichts neues mehr ist) und Lupine bereichert unsere Fruchtfolge und sorgt gleichzeitig dafür, dass der Anteil eigens erzeugter Futtermittel für die Legehennen nochmal deutlich steigen konnte. Den Weg wollen wir in den nächsten Jahren weitergehen!

Mitten im zweiten Quartal, im Mai, hat Mattis sein landwirtschaftliches Fachabitur an der Georgsanstalt in Ebstorf gemacht und war den Sommer, bis zum Ausbildungsbeginn im August fest in alle Aufgaben und Planungen auf dem Betrieb involviert. Aber er war nicht der einzige, denn wie auch schon in den letzten Jahren haben uns einige Praktikantinnen, dieses Jahr Lea und Luise, sowie Marius, der einen Teil seiner Ausbildung bei uns absolviert hat, unterstützt. Vielen Dank an euch! Seit dem 01.08. ist Nils fest in Vollzeit angestellt. Ein großer Schritt, denn das gab es auf dem Kastanienhof noch nie. Allerdings ist Nils ja kein Unbekannter, sondern hat bereits sein praktisches Jahr während das Fachabis bei uns absolviert. Jetzt ist er ausgebildeter Landwirt und sammelt noch Berufserfahrung, bevor er ab Sommer 2021 die Technikerschule besuchen wird. In jedem Fall ist er eine große Bereicherung für das Hofleben und wir können uns momentan noch nicht so richtig vorstellen, wie es sein wird, wenn er wieder mehr Zeit in der Schule und weniger in Nothfelden verbringen wird! Katharina, die derzeit noch ihren Master macht, ist ebenfalls seit August als Werksstudentin angestellt. Neben Bürotätigkeiten widmet sie sich auch der Öffentlichkeitsarbeit und der Organisation von Veranstaltungen. So konnten wir dieses Jahr das erste Mal unseren Hof für einen Kindergeburtstag zur Verfügung stellen, eine Hofführung für Vorschulkinder anbieten, eine kleine Ausstellung zum Aktionstag für Bodenschutz organisieren oder, alle zusammen mit vielen Helfer*innen, das Hofcafé auf die Beine stellen.

Im  Juli, vor der Ernte, wollten wir es nochmal wissen, und haben aus- und wieder eingestallt und zehn Tage vor Beginn der Getreideernte, am 04.07. jede Menge Kirschen gepflückt, die zwar köstlich geschmeckt haben, aber durchaus auch den ein oder anderen Wurm enthielten. Man darf auf jeden Fall gespannt sein, was die Streuobstwiese, die wir seit diesem Jahr mitbewirtschaften, in den nächsten Jahren noch für uns bereithalten wird.

Am 06. September hatten wir bei glücklicherweise gutem Wetter 300 Menschen in unserem Hofcafé zu Gast. Eigentlich als Testlauf für kommende Veranstaltungen geplant, hat uns die Menge an Interessierten positiv überrascht und wir konnten eine Menge über Veranstaltungsplanung und -durchführung lernen (das heißt, beim nächsten Mal wird es noch besser ;-) ).

Im Oktober folgten die Apfel- und Kartoffelernte und mit den Sojabohnen haben wir die Ernte 2020 im November beendet. Die letzte Veranstaltung in diesem Jahr auf dem Kastanienhof war das 18. Türchen des lebendigen Adventskalenders von Nothfelden, der Mut gemacht hat, Veränderungen auf kleiner und großer Ebene anzustoßen, Utopien zu wagen und vom bestmöglichen Ausgang zu träumen. Wir haben den Film "What happened when we all stopped", gelesen von Jane Goodall gezeigt, der Film ist hier zu finden, die Übersetzung findet ihr bei uns auf dem Hof.

Wenn wir einen Strich unter 2020 ziehen, dann haben wir viele neue Kund*innen gewonnen; sowohl in den meisten Läden als auch bei uns auf dem Hof sind unsere Produkte sehr beliebt. Außerdem sind auch auf beruflicher Ebene neue Kontakte geknüpft und das lokale und regionale Netzwerk gepflegt worden. Der Biohof Ulott verkauft beispielsweise unsere Eier und den Eierlikör auf Wochenmärkten, im Mitgliederladen Schmackes in Kassel gibts unseren Eierlikör, genau wie auch im Biorestaurant Weissenstein, und die Hessenpraline hat sogar eine Praline mit unserem Eierlikör kreiert und im Chattenturm und dem Alten Rathaus bekommt ihr mittlerweile auch unsere Kartoffeln und Eier.

Gleichzeitig fehlen uns die persönlichen Gespräche, wenn ihr bei uns einkauft oder vorbeikommt, um euch ein Bild von unserer Arbeit zu machen. Das alles ist in diesem Jahr sehr kurz gekommen und motiviert aber so sehr für die alltäglichen Aufgaben.

 

2020 wird jetzt abgehakt, und wenn wir ehrlich sind, wirklich wehmütig macht uns das nicht.

 

Auf unserem Wunschzettel für 2021 steht aus landwirtschaftlicher Perspektive mehr Regen, aus menschlicher Perspektive mehr Gelegenheit, ausgelassen gemeinsam die Zeit zu genießen und sich nahe zu sein. Wir wissen nicht, was wie kommen wird. Aber wir haben Hoffnung, wollen im nächsten Jahr Raum für Begegnungen schaffen und freuen uns auf alles, was kommt. Dazu schreiben wir demnächst noch einmal mehr.

 

Bis dahin wünschen wir euch aber einen guten, sanften Rutsch in 2021.

 

Auf ein baldiges Wiedersehen,

eure Familie Hüppe